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«Zulassungszahlen zeigen die Realität»

 

René Mitteregger
Produkt-Manager  

Erkennen Sie aufgrund Ihrer Daten, dass die Klimadebatte bereits Auswirkungen auf den Automarkt haben?
René Mitteregger: Sie hat kaum erkennbare Einflüsse auf den Autokauf. Im Gegenteil: Wir registrieren einen Anstieg bei den verkauften Benzinern. Dies auf Kosten des Diesels, was bezogen auf den CO2-Ausstoss kontraproduktiv ist. Der Diesel stösst nachweislich weniger CO2 aus, als ein vergleichbarer Benziner.

Wie beeinflusst die aktuell verschärft geführte Klimadebatte das Autogeschäft aus Ihrer Sicht ganz generell?
In den vergangenen sechs Monaten wurden 900 Personenwagen weniger neu zugelassen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. So gesehen ist nicht allzu viel von Einflüssen der Klimadebatte zu erkennen.

Belebt die Klimadebatte den Umstieg auf alternative Antriebe?
Eine gewisse Dynamik ist zu erkennen. Es wurden in den vergangenen sechs Monaten rund 6000 elektrisch betriebene und etwas über 10’000 Hybrid angetriebene Personenwagen neu zugelassen. Das sind rund 3350 Personenwagen mehr mit Hybridantrieb und rund 3500 Personenwagen mehr mit Elektroantrieb als in der Vergleichsperiode 2018. Ob das nun mit der Klimadebatte einhergeht, oder ob es einfach am erhöhten Angebot liegt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Sie müssen diese Zahlen aber in einen grösseren Zusammenhang stellen: Nach wie vor werden 89,4% aller verkaufen Personenwagen ausschliesslich mit Verbrennungsmotoren gekauft.

Per Ende Mai dieses Jahres haben alternative Antriebe gegenüber derselben Periode des Vorjahres um 68 Prozent zugelegt. Reicht das, um von einem Boom zu sprechen?
Von einem Boom kann nicht gesprochen werden. Zumal nun Fahrzeuge zur Auslieferung kommen, die zum Teil schon vor drei Jahren bestellt wurden. 68 Prozent Zuwachs sieht toll aus, ist aber nur von bedingter Relevanz für den Markt. Die Zulassungszahlen zeigen die Realität: Nur 3,9 Prozent aller in den letzten sechs Monaten zugelassenen Personenwagen werden rein elektrisch angetrieben, 7,2 Prozent hatten einen Hybridantrieb.

Tesla verzeichnet mit einem Plus von 280 Prozent in den ersten sechs Monaten die grösste Zuwachsrate. Hält der Höhenflug an?
Auch hier bin ich nicht überzeugt, dass es sich um einen Boom handelt. Der rasante Anstieg ist eher darauf zurückzuführen, dass das Model 3 zwar seit März 2016 bestellt werden kann, aber erst seit Anfang 2019 ausgeliefert wird. Wenn die bereits seit langem bestellten Fahrzeuge ausgeliefert sind, dürfte sich der «Hype» relativieren.

Das Wachstum im Bereich der alternativen Antriebe kommt vor allem dank dem Segment Diesel-Hybrid mit einer Zunahme von 636 Prozent. Wie kommt das?
636 Prozent klingen nach viel. In der Tat wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1’060 Diesel-Hybride zugelassen, während es in derselben Periode des Vorjahres nur 144 waren. Auf Basis dieser Zahlen lässt sich feststellen: Diesel-Hybride sind nicht die Treiber im Sektor der alternativen Antriebe. Zum Vergleich: Benzin-Hybride wurden 9’177 Mal neu zugelassen, im Vorjahr über dieselbe Zeit waren es 6’754. Der Diesel-Hybrid-Anteil ist im Verhältnis zwar stark gestiegen, aber das liegt primär daran, dass es im vergangenen Jahr noch kaum Angebote gab. Da sogenannte Mildhybride mit 48-Volt-Technik im Moment im Trend sind, wird es auch einfacher, «normale» Personenwagen und damit auch mit Diesel betriebene zusätzlich mit Hybridantrieb zu versehen.

Hybride sind generell im Aufwind. Ist die Schweiz, was diese Technologie betrifft, ein Spätzünder?
Nicht unbedingt. Es gab in der Vergangenheit nur eine Hand voll Hersteller, die überhaupt Hybride anboten. Da war die Auswahl sehr beschränkt. Vor dieser Situation stehend haben sich viele Käufer für einen konventionellen Antrieb entschieden.

Was heisst das für den Händler?
Hybride sind eigentlich gut für den Händler, oder besser für die Werkstatt, da sie Elektroantrieb und konventionellen Antrieb vereinen und dadurch mehr Wartung erfordern.

Die nationalrätliche Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie hat soeben die Verlängerung von Steuererleichterungen für umweltschonende Treibstoffe verabschiedet. Wie stark können solche Massnahmen dem Markt für alternative Antriebe einen Impuls geben?
Abhängig von der Höhe der Anreize kann das wohl einen Einfluss auf den gesamten Markt haben. Nehmen wir das Beispiel Norwegen. Dort werden Elektrofahrzeuge zum Teil von der Steuer befreit, dürfen Bus-Spuren nutzen, und das Parkieren und Laden sind zum Teil gratis. All das führte in der Vergangenheit zu einer deutlich erhöhten Nachfrage nach Elektroautos.

Wie kann der Händler jetzt davon am stärksten profitieren?
Ein Händler, der eine Marke vertritt, die Elektro- und/oder Hybrid-Fahrzeuge anbietet, kann diese Stärke für sich nutzen. Er muss sich aber nach wie vor mit den alternativen Antrieben auseinandersetzen und sich in diesem Bereich technisch wie auch ökonomisch weiterbilden. Denn nur wenn er die technischen Aspekte mit den möglichen Einsparungen im Verkaufsgespräch zu kombinieren weiss, wird er mit den neuen Antriebskonzepten Erfolg haben.

Wie beurteilen Sie den Occasionsmarkt bei den Elektrofahrzeugen? Worauf muss der Händler besonders achten?
Bei den Occasionen ist der Markt dermassen klein, dass man den Handel mit gebrauchten Elektrofahrzeugen als Nischen-Geschäft bezeichnen kann. Händler, die sich mit dem Occasionshandel für Elektrische befassen, sollten die Einkaufspreise gut im Auge behalten. Ferner ist es auch wichtig zu wissen, ob die Batterien gekauft oder gemietet sind.

Die Neuzulassungen beim Diesel sind mit 7 Prozent nur noch leicht rückläufig. Hat der Markt den Boden gefunden?
Es bleibt zu hoffen. Der moderne Diesel – also Euro6 und neuere – wurde zu Unrecht schlecht gemacht. Diesel-Fahrzeuge verursachen im Vergleich zum Benziner weit weniger CO2. Auch passt der Dieselantrieb sehr gut zu den zurzeit sehr beliebten SUV, was mit Sicherheit auch einen Einfluss auf den gebremsten Rückgang hat. Jedoch werden bei einigen Herstellern nur noch wenige Dieselaggregate angeboten, sodass ein Rückgang der Dieselzulassungen auch darauf zurückgeführt werden kann.

Wie geht es weiter mit dem Diesel?
Der Diesel dürfte uns auch auf längere Sicht erhalten bleiben. Sich stabilisierende Verkaufszahlen zeigen den Trend. Natürlich immer abhängig davon, ob und in welchem Umfang mit Diesel betriebene Personenwagen weiterhin angeboten werden. Beobachtet man den Occasionsmarkt, findet der Diesel auch dort noch immer seinen Käufer.

Das erste Halbjahr ist vorbei. Was erwarten Sie für eine Entwicklung im zweiten Halbjahr?
Ich erwarte weiterhin leicht steigende Zahlen bei den Neuwagenverkäufen. Die alternativen Antriebskonzepte werden weiterhin an Attraktivität gewinnen. Nicht zuletzt, weil das Angebot der verschiedenen Hersteller steigt.

Übrigens, verkaufen sich bei anhaltendem Sonnenschein eigentlich tatsächlich mehr Cabriolets oder ist das ein Mythos?
Das ist ein Mythos. Wer will schon bei 35 Grad ohne schattenspendendes Dach unterwegs sein? Aber der warme Sommer hat andere Effekte. Im Moment lässt sich wohl ein Fahrzeug ohne Klimaanlage nur noch sehr schlecht verkaufen.