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Von einem E-Boom kann keine Rede sein

Werden die meisten Cabriolets tatsächlich im Frühling verkauft? Beeinflusst das Wetter die Kaufstimmung der Konsumenten in dieser Jahreszeit besonders? Was macht der Händler jetzt mit seinen Diesel-Occasionen? Was geht – und was steht? auto-i-dat-Datenspezialist René Mitteregger antwortet auf die zehn wichtigsten Fragen zur aktuellen Jahreszeit.

 
René Mitteregger, gehen Cabriolets im Frühling grundsätzlich besser weg als im übrigen Jahr?

Früher war es tatsächlich so, dass Cabrios hauptsächlich im Frühjahr gekauft wurden. Heute sind die Cabrio-Dächer aber so gut, dass das Fahrzeug das ganze Jahr verwendet werden kann und sich damit auch der Verkauf über das ganze Jahr verteilt.

Lässt sich statistisch nachweisen, dass die Kunden im Frühling grundsätzlich eher ein Auto kaufen?
Nein, nicht einmal auf Basis unserer doch sehr tiefgehenden Daten. Der Autokauf hängt im Frühjahr primär vom Wetter ab. Wenn es früh keinen Schnee mehr hat, wird auch früher über den Kauf eines neuen oder neuen Gebrauchten nachgedacht.

Hat man je eine Relation zwischen Wetter und Kaufverhalten im Autogewerbe untersucht?
Durchaus. Wird das Wetter früh schön, werden auch mehr Neufahrzeuge und Gebrauchtfahrzeuge verkauft. Statistisch kann das aber leider nicht belegt werden, da gerade bei den Neuwagen fast immer eine Verzögerung vom Kauf bis zur 1. Zulassung stattfindet. Aber dass es da einen starken Zusammenhang gibt, halte ich auf Basis unserer Beobachtungen für erwiesen.

Was mache ich jetzt mit meinen Diesel-Occasionen? Wie verkaufe ich die am besten?
Das Wichtigste ist jetzt: Ruhe bewahren. Der Diesel ist grundsätzlich nicht so schlecht, wie sein Ruf. Bei den Gebrauchtwagen stellen wir nur geringe oder gar keine Rückgänge in der Nachfrage fest. Bei Kleinwagen mit Dieselantrieb registrieren wir hingegen einen leichten Rückgang. Bei grösseren und damit schwereren Fahrzeugen, bei denen der Dieselantrieb auch wirklich Sinn macht, registrieren wir nur sehr geringe Einflüsse. Ein Argument ist sicherlich der geringere Verbrauch und die geringeren Kosten im Unterhalt. Ferner ist das hohe Drehmoment gerade bei grossen Fahrzeugen ein Argument für den Diesel. Leider wird dieser Antrieb momentan von vielen Seiten verteufelt, was er nicht verdient hat. Aktuell arbeiten verschiedene Hersteller an noch saubereren und effizienteren Dieselfahrzeugen. Fachleute sprechen von Stickoxydreduktionen um den Faktor 10. Zudem werden die von der Regierung festgelegten CO2-Grenzwerte wohl kaum nur mit Benzinern und einigen wenigen Elektrofahrzeugen erreicht werden.

Soll man jetzt als Verkäufer auf Benziner setzen?
Das ist sehr abhängig vom Einsatzgebiet des jeweiligen Fahrzeugs. Wie bereits erwähnt, sind die Verbrauche bei Benzinern höher und nur mit Benzinern lassen sich die ambitionierten CO2-Grenzwerte mit Sicherheit nicht einhalten. Jeder Antrieb hat seine Vorteile. Will man beispielsweise weite Strecken fahren, ist immer noch der Diesel die beste Wahl. Werden oft Kurzstrecken, z.B. zum Einkaufen zurückgelegt und kann auf ein Zweitfahrzeug mit hoher Reichweite zurückgegriffen werden, macht auch ein Elektrofahrzeug Sinn. Sind jedoch viele Kurzstrecken gemischt mit einigen längeren Ausflügen vorgesehen, dürfte der Benziner oder gar ein Hybrid-Fahrzeug die beste Wahl sein. Hier gilt es, im Gespräch mit dem jeweiligen Kunden exakt seine Bedürfnisse festzustellen und dafür dann das passende Fahrzeug vorzuschlagen.

Spürt man tatsächlich einen E-Boom? Was empfiehlt auto-i-dat in Bezug auf Elektromobile?
Von einem E-Boom kann nicht die Rede sein. Natürlich wurden 2017 mehr Elektrofahrzeuge verkauft als im Jahr zuvor. Das dürfte aber auch daran liegen, dass einfach mehr Elektrofahrzeuge verfügbar sind. Im Jahre 2016 wurden 3195 und 2017 4656 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. Dies entspricht 2016 1.006% und 2017 1.482% aller neu zugelassenen Personenwagen. Es handelt sich bei den E-Fahrzeugen nach wie vor um ein Nischenprodukt. Ferner sind viele Probleme, die die E-Mobilität «verursacht» noch nicht gelöst. So sind z.B. die Schweizer Stromnetze und Stromproduzenten nicht auf eine rasant steigende Nachfrage vorbereitet. Auch die Entsorgung der Batterien ist in vielen Bereichen noch nicht gelöst. Und bei vielen Elektrofahrzeugen dürfte die doch eingeschränkte Reichweite ihren Teil zu den im Verhältnis nach wie vor sehr tiefen Verkaufszahlen beitragen.

Was sind die bemerkenswertesten Entwicklungen, die sich schon jetzt für 2018 abzeichnen?
Neue Technologien beim Diesel-Motor und die neue Emissions-Messung «Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure» kurz WLTP. Diese dürften auch die CO2-Grenzwerte unserer Regierung unter Druck bringen, weil die Fahrzeuge aufgrund der realistischeren Testanlage teilweise deutlich höhere Verbrauchs- und Schadstoffwerte ausweisen werden.

VW scheint seit Monaten permanent unter Druck. Lässt sich das auch bei den Verkaufszahlen beobachten? Kaufen die Leute grundsätzlich weniger Produkte aus dem Hause Volkswagen?
Zurzeit ist tatsächlich ein Rückgang der Neuwagen-Verkaufszahlen bei VW festzustellen. Ob das am Druck, der auf VW und einem Teil ihrer Produkte liegt, kann ich nicht beurteilen. Ein grundsätzlicher Nachfragerückgang bei allen Marken der Volkswagengruppe kann auf Basis unserer Datenlage aber nicht registriert werden.

Auf welche Marken sollte man als Occasionshändler jetzt setzen? Was geht – und was steht?
Das kann nicht pauschal beantwortet werden. Viele Händler haben sich spezialisiert und verkaufen Fahrzeuge, die bei einem anderen Händler möglicherweise nicht gehen würde. Wovor man sich als freier Händler aber hüten sollte, sind Elektrofahrzeuge der ersten Generation. Ferner würde ich zurzeit auch nicht unbedingt einen Infiniti eintauschen. Diese Marke steht momentan sehr lange.

Worüber muss ich als Händler mit meinen Kunden jetzt sprechen?
Sicherlich über den Einsatzzweck seines Autos. Wie bereits erwähnt hat jeder Antrieb seine Vor- und Nachteile. Der Händler sollte auch die verständliche Angst des Kunden vor Diesel-Antrieben mit fachlichen Argumenten und Ratschlägen beseitigen.