«E-Occasionen sind für uns ganz normal»

Andrej Rüegg, Geschäftsführer der Jungwagen von Rotz AG, kauft seit Jahren neben Verbrennern auch Elektrofahrzeuge an. Er spricht darüber, wie sein Unternehmen die Krise erlebt hat, wem er heute Elektroautos empfiehlt und weshalb er optimistisch in die Zukunft blickt.

Andrej Rüegg, viele Händler zögern beim Ankauf von Elektro-Occasionen, sie nicht. Wie kommt das?

Andrej Rüegg: «Wir haben uns sehr früh darauf vorbereitet. Wir sind ein freier Händler und kaufen unsere Fahrzeuge selbst in Europa ein. Dadurch sind wir ein offizieller Grossimporteur und müssen die CO₂-Vorgaben einhalten. Unser Geschäftsmodell wäre nicht möglich gewesen, wenn wir nicht schon Jahre vorher begonnen hätten, konsequent Elektrofahrzeuge zu verkaufen, sowohl Neuwagen als auch Occasionen. Letztes Jahr lag der Anteil von Steckerfahrzeugen bei fast 50 Prozent, inklusive Plug-in-Hybride. E-Occasionen sind für uns ganz normal. Dies spürt der Besucher, der Kunde respektive der zukünftige Elektroautofahrer, wenn er sich durch uns beraten lässt.»

Können Sie die Vorsicht vieler Händler bei Elektro-Occasionen verstehen?

«Absolut, die Korrektur am Markt war schmerzhaft, auch für uns. Jeder Händler, der Elektrofahrzeuge eingetauscht oder an Lager hatte, hat sich anfänglich die Finger verbrannt. Verursacht wurde dies durch verschiedene Faktoren wie die anfänglich hohen Preise von Elektrofahrzeugen, der unterschiedlichen Förderung und auch einen gewissen Hype, der jetzt ins normale Angebot-Nachfrage-Niveau übergegangen ist.»

Was waren die Ursachen?

«Unter anderem der Ukrainekrieg, plötzlich war Strom ein Thema, und es wurde sogar darüber gesprochen, ob im Winter genug Strom vorhanden sei. Das hat damals wie ein Schalter gewirkt. Die Nachfrage ist eingebrochen, gleichzeitig gab es ein Überangebot, und die Preise sind sehr schnell gefallen. Diese Korrektur kam sehr abrupt und hat wehgetan.»

Waren Sie davon auch betroffen?

«Definitiv. Auch unser Lager mit Elektrofahrzeugen hat sich im Wert korrigiert und wir mussten da und dort Abschreibungen und Korrekturen vornehmen.»

Wie blicken Sie in die Zukunft?

 «Wir sind heute in einem gesunden Umfeld. Elektroautos werden nicht mehr künstlich gepusht. Die Kunden kaufen das, was zu ihnen passt. Wenn jemand keine Lademöglichkeit hat, dann ist ein Elektroauto im Moment vielleicht noch nicht die richtige Wahl. So ist der Markt viel entspannter als noch vor ein paar Jahren.»

Wie ist Ihre Haltung heute gegenüber den verschiedenen Antriebsarten?

 «Wir sind sehr offen. Wir haben Freude an Elektroautos, aber genauso an Verbrennern. Wichtig ist, dass der Kunde sich verstanden fühlt. Er kauft dort, wo er merkt, dass der Verkäufer hinter dem Produkt steht. Das ist beim Thema Elektromobilität noch nicht überall der Fall.»

Spüren Sie diese Zurückhaltung auch beim Eintausch von Elektrofahrzeugen?

 «Ja, viele Garagisten tauschen ungern Elektroautos ein, weil sie Angst vor Abschreibern haben. Diese Angst kommt aus der Zeit der starken Preiskorrekturen. Wir konnten diese Phase zum Glück hinter uns lassen und haben inzwischen gute Erfahrungen mit Elektro-Occasionen gemacht. Deshalb gehen wir heute viel entspannter damit um.»

Was braucht es, damit sich Elektromobilität weiter durchsetzt?

 «Die Infrastruktur muss weiter wachsen. Wenn das Laden noch einfacher wird, wird automatisch ein grösserer Teil der Kunden elektrisch fahren. Das ist ein bisschen wie früher beim Übergang von der Kutsche zum Verbrenner. Erst als die Infrastruktur da war, hat sich die neue Technologie wirklich durchgesetzt.»

Beim Handel mit Elektro-Occasionen wird der Zustand der Batterie immer wichtiger. Wie gehen Sie damit um?

 «Beim Eintausch machen wir in der Regel keinen Batterietest, weil die Fahrzeuge sehr zuverlässig sind. Vor dem Verkauf führen wir den Test aber oft durch, vor allem wenn der Kunde das wünscht. Im Moment berücksichtigen wir den Batteriezustand bei der Bewertung noch nicht systematisch. Dies hat auch mit der sehr langen Batteriegarantie der einzelnen Hersteller zu tun.»

Könnte sich das in Zukunft ändern?

 «Ja, durchaus. Wenn man mit einem Test aufzeigen kann, dass eine Batterie in einem überdurchschnittlich guten Zustand ist, dann ist das ein klarer Mehrwert. Dann kann man auch begründen, warum ein Fahrzeug etwas mehr kostet. Transparente Daten werden im Occasionshandel immer wichtiger. Am Ende gilt auch hier: Tue Gutes und sprich darüber.»


Mit autoValue bewerten Händler Fahrzeuge schnell und präzise. Neu verfügt die Applikation über eine zusätzliche Funktion: Die State-of-Health-Korrektur bezieht den tatsächlichen Batteriezustand direkt in die Bewertung von Elektro-Occasionsfahrzeugen ein.