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Der Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge entwickelt sich weiter. Die Zahl der Halterwechsel steigt deutlich, und die Restwerte haben sich stabilisiert. Gleichzeitig stehen BEV-Occasionen weiterhin länger als andere Fahrzeuge, weil das Angebot noch stärker zunimmt als die Nachfrage. Zusätzliche Bewegung könnte allenfalls das Hagelereignis vom 28. August 2026 bringen. Wir zeigen die aktuellen Entwicklungen und skizzieren ein mögliches Szenario.
Die Zahl der Halterwechsel von batterieelektrischen Fahrzeugen nahm im Q2 2026 um 38 Prozent zu im Vergleich zum Vorjahresquartal, nachdem sie bereits im Q1 2026 um 39 Prozent gewachsen war im Vergleich zum Vorjahresquartal. Damit wächst der Elektro-Occasionsmarkt deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Aufgrund der steigenden Akzeptanz der BEV-Occasionen, gemäss Umfrage von GFS Bern und auto-i-dat, sowie aufgrund des jahrelangen Preisdrucks und des mittlerweile breiten Angebots hat sich demnach die Nachfrage gut entwickelt. Entsprechend bewegen sich die BEV-Restwerte seit Sommer 2025 seitwärts. Trotz dieser positiven Entwicklung liegen die Standzeiten von Elektrofahrzeugen mit durchschnittlich 97,4 Tagen weiterhin über dem Gesamtmarkt, der aktuell bei rund 83 Tagen liegt. Sie sind seit Anfang Februar zudem wieder leicht gestiegen, etwas mehr als der Gesamtmarkt.
Auf den ersten Blick wirken steigende Halterwechsel und längere Standzeiten widersprüchlich. Zur Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs gilt es, den BEV-Neuwagenverkauf im Auge zu behalten. Er ist in den letzten Jahren jedes Jahr stark gewachsen. Der seit längerem jährlich wachsende Anteil der BEV-Neuzulassungen an allen Neuzulassungen auf 26 Prozent im 2. Quartal 2026 führt dazu, dass jedes Jahr mehr BEV-Occasionfahrzeuge in den Markt kommen. Dies führt zu einem entsprechenden jährlich wachsenden Angebot, in dem absolut gesehen jedes Jahr mehr Fahrzeuge in den Markt zurückkommen. Sie treffen auf einen Occasionmarkt, in dem der Anteil der BEV an den Halterwechseln erst 7,25 Prozent ausmacht. Aufgrund dieses noch vergleichsweise engen Markts wird die jährlich absolute Zunahme von BEV-Occasionen auch relativ zu einem überproportionalen Wachstum des Angebots führen.
In anderen europäischen Märkten war nach Ausbruch des Iran-Konflikts teilweise die gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Gemäss Indicata führte der starke Anstieg der Treibstoffpreise insbesondere in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zu einer höheren Nachfrage und einem raschen Abbau der verfügbaren BEV-Bestände. Dass die Schweiz gemäss Indicata das einzige der 14 untersuchten Länder in Europa ist, in dem weiterhin ein Angebotsüberhang besteht, kann mehrere Gründe haben, die aber nicht belegbar sind. Obwohl die Benzinpreise in der Schweiz ähnlich stark gestiegen sind wie im europäischen Durchschnitt, dürfte der finanzielle Druck auf viele Haushalte aufgrund des höheren verfügbaren Einkommens geringer ausfallen. Es könnte auch sein, dass in der Schweiz Umsteiger eher BEV-Neufahrzeuge kaufen, was eine Erklärung für den Sprung der BEV-Neuzulassungen von 6,3% Wachstum im Q1 2026 auf 32 Prozent Wachstum im Q2 2026 im Vergleich zu den Vorjahresperioden sein könnte.
Interessant zu sehen sein wird nun, wie sich das Hagelereignis vom 28. August 2026 auf die Marktzahlen auswirken wird. Das grosse Unwetter von Ende August hat zu einer grossen Anzahl beschädigter Fahrzeuge geführt. Ein Teil davon betrifft auch Elektro-Occasionen, die auf einen neuen Besitzer warteten. Diese entfallen auf der Angebotsseite – jedenfalls kurz- und mittelfristig (mit Ausnahme der verhagelten Fahrzeuge, die unrepariert mit Preisabschlägen inseriert werden). «Aktuell lassen sich keine Rückschlüsse ziehen auf steigende Marktpreise. Wir beobachten aber weiter, ob dieses Ereignis kurz- und mittelfristig zu sinkenden Standzeiten und allenfalls steigenden Occasionpreisen führt», so Azren Rastoder, Leiter Automotive Data auto-i-dat.
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