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«Der Run wird erst richtig losgehen»

Die Situation auf dem Occasionsmarkt spitzt sich weiter zu: Die Standzeit einer durchschnittlichen Occasion hat sich gegenüber Vorjahr weiter verkürzt und liegt aktuell bei rekordtiefen 81 Tagen. Das aktuelle Marktreporting von auto-i-dat zeigt auch, wie stark sich Corona auf den motorisierten Individualverkehr ausgewirkt hat.

Wie stark die Covid-19-Pandemie die ohnehin schon sehr grosse Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs noch verstärkt, wird durch das aktuelle Marktreporting von auto-i-dat ag eindrücklich aufgezeigt: Mit 4'700'057 waren im Januar noch nie so viele Personenwagen immatrikuliert wie 2021 – und das, obwohl der Neuwagenmarkt 2020 um knapp 24 Prozent eingebrochen war. Obschon sie leicht zunahmen spielten die Tageszulassungen im zweiten Halbjahr kaum eine Rolle und beeinflussten die Zahl der Neuzulassungen nur sehr marginal.

Insgesamt und trotz Corona wächst der Bestand an Personenwagen in der Schweiz jährlich um 50'000 bis 70'000. Dass der Spuk noch nicht vorbei ist, zeigt sich erneut im Januar: Allein im ersten Monat des laufenden Jahres ist die Zahl an Neuzulassungen gegenüber dem Januar im Vorjahr mit -19,5 Prozent rückläufig. Das Corona-Jahr hat die Hersteller übrigens sehr unterschiedlich getroffen: Es gab Hersteller, die das Vorjahresergebnis nur sehr knapp verpasst haben, Mini zum Beispiel mit einem Minus von gerade einmal 0,2 Prozent, oder Tesla (-0,3), Porsche (-1,3), DS Automobiles (-3,8) oder auch Volvo (-4,8).

Dass sich der Rückgang der 2020 viel zu wenig verkauften Neufahrzeuge zeitverzögert auch auf den Occasionsmarkt auswirken wird, liegt auf der Hand. 2020 verzeichnete mit 775'222 Halterwechseln und einem Minus von nur 1,9 Prozent zwar das viertbeste Resultat seit Beginn der statistischen Erfassung; nur 2017, 2018 und, vor allem 2019, waren noch stärker. Die Lage hier wird aber immer angespannter: «Unsere Prognosen sehen nicht sehr rosig aus», sagt René Mitteregger, Datenspezialist bei auto-i-dat ag. Aktuell lindernd auf den Occasionsmarkt wirkt alleine der Umstand, dass der Lockdown nach wie vor in Kraft und der damit faktisch unterbundene Verkauf von Neuwagen wie Occasionen sehr erschwert ist. «Aber sobald sich diese Situation verändert, wird der Run auf gute Occasionen erst recht losgehen», prophezeit René Mitteregger.

Ein weiteres Indiz, wie zunehmend «ausgetrocknet» der Occasionsmarkt aktuell ist: Die durchschnittlichen Standzeiten sinken im Vergleich zu früheren Zeiten dramatisch – aktuell liegen sie bei sage und schreibe 81 Tagen. «Auch das», hält Mitteregger fest, «ist ein Rekordwert». Im Vergleich: aktuell steht eine durchschnittliche Occasion damit zehn Tage weniger lang als noch zwischen Mai und Oktober 2020. Allerdings präsentieren sich auch hier die Zahlen pro Marke sehr unterschiedlich: Seat (69), Smart (69), VW (70) und Audi (72), Hyundai (73), Skoda (74), Mercedes-Benz (75), Suzuki (76), Toyota (78), Peugeot (78), Ford (79) und Citroën (79) stehen unterdurchschnittlich lang. Aston Martin (268), Cadillac (166), Infinity (152), Lamborghini (149), SSangYong (127), Lexus (126), Jaguar (118) und Ferrari (111), stehen dagegen überdurchschnittlich lang.

Lesen Sie dazu das Interview mit René Mitteregger