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Neuimmatrikulationen und Handänderungen: Licht am Ende des Tunnels

Die Corona-Krise ist zwar noch nicht vorbei, aber trotzdem gibt es Licht am Ende des Tunnels: Die Zahl der monatlichen Immatrikulationen erholt sich seit Juni und bei den Handänderungen verzeichnet der Markt Rekordmonate. Aber selbst bei der steigenden Zahl von neu zugelassenen Autos mit alternativem Antrieb – bis sie einen substanziellen Anteil am gesamten Personenwagenbestand in der Schweiz ausmachen dauert es noch sehr lange.

 

 
9,5 Jahre: Das ist das Durchschnittsalter aller in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein eingelösten Personenwagen per Mitte 2020. Im Vergleich zu den Vorjahren hat er sich verjüngt. René Mitteregger, Datenspezialist bei auto-i-dat ag, begründet das damit, dass das Bundesamt für Strassen ASTRA von 2019 auf 2020 eine Bereinigung der Bestandszahlen durchgeführt hat. Im Rahmen dieser Korrekturen wurden einige sehr lange zum Bestand gezählte, aber nicht mehr existierende Fahrzeuge aus dem Register entfernt. Aus diesem Grund wurde das Fahrzeugalter bis 2019 auch leicht höher berechnet.

2020 wird mit Sicherheit als eines der schlechtesten Jahre in die Geschichte der Automobilindustrie eingehen – wegen Corona. Über 90 Prozent der Autowerke und Produktionsstätten bei den Zulieferern – in Europa genauso wie in China und den USA – standen teilweise still, was in Kombination mit einem Einbruch auf der Nachfrageseite zu einer dramatischen Verkettung führte, deren Auswirkungen auch Monate nach Hochfahren der Produktion spürbar sind. Dabei kam die Schweizer Autobranche noch «gut» weg: Per Ende August liegt der Rückgang bei den Neuzulassungen im laufenden Jahr bei knapp -30 Prozent und erholt sich seit Juni Monat für Monat langsam wieder. Zum Vergleich: In Deutschland gingen die Verkäufe bis zu 60 Prozent zurück, in Italien, Spanien, Frankreich und Grossbritannien sogar bis zu 95 Prozent. Trotzdem: «Die Rückgänge werden mit Sicherheit in der zweiten Jahreshälfte nicht mehr eingeholt werden können», sagt Mitteregger.

Deutlich weniger dramatisch verläuft die Entwicklung bei den Handänderungen. Per Mitte 2020 wechselten nur gerade 7,5 Prozent weniger Fahrzeuge den Besitzer. Das sind – trotz Corona-Krise – noch mehr als im ersten halben Jahr 2015 und praktisch gleich viele wie im ersten Halbjahr 2016. Und auch hier gilt es, die Entwicklung der einzelnen Monate etwas genauer zu betrachten: Juni 2020 geht mit 77'496 Handänderungen als der beste Monat überhaupt in die Geschichte ein – und Juli 2020 lag mit 76'970 Handänderungen nur unwesentlich darunter. Darum stieg die durchschnittliche Standzeit einer Occasion auf 88 Tage leicht an (+10 Tage); die knapper werdenden Vorräte an guten Gebrauchtwagen lassen nun auch weniger beliebte Fahrzeuge und Ausstattungen einen Käufer finden. Das hat direkte Auswirkungen auf die Standzeiten. Naturgemäss unterscheiden sich die Standtage nach Marke und Modell sehr stark.

Die Corona-Krise und der damit verbundene Unterbruch bei der Produktion traf auch den Bereich der alternativen Antriebe. Immerhin machen sie bei den Immatrikulationen kumuliert per Ende August erstmals über 10 Prozent aus (11,1 Prozent) – auch dank eines eigentlichen Booms bei den hybridbetriebenen Fahrzeugen. Den Marktanteil steigern konnten, wenn auch nicht ganz so stark, die Elektrofahrzeuge (von 3,6 Prozent Anteil bei den Neuzulassungen im Vorjahr auf 5,8 Prozent per Ende August 2020). Mit grossem Abstand am meisten Elektrofahrzeuge auf Schweizer Strassen – und das ist keine Überraschung: Tesla (15'179 Fahrzeuge per Mitte Jahr) vor Renault (6'002) und BMW (3'324). Wie lange es brauchen wird, bis ein substanzieller Anteil an alternativen Antrieben auf Schweizer Strassen unterwegs sein wird, zeigt dabei die Tatsache, dass alternative Antriebe selbst bei der aktuellen Dynamik bei den Neuzulassungen erst 3,8 Prozent des gesamten Personenwagenbestandes in der Schweiz ausmachen. Es dominieren nach wie vor der Benziner (66,2 Prozent Anteil am gesamten Personenwagenbestand in der Schweiz) und der Diesel (29,9 Prozent).

Bemerkenswert übrigens: Der Diesel ist längst noch nicht tot. Das belegen die Zahlen bei den Neuzulassungen. Sein Rückgang gegenüber Vorjahr (1. Halbjahr) beträgt nur 4 Prozent, während der Benziner primär auf Kosten der Hybridtechnologie, die notabene in den meisten Fällen auch wieder mit einem Benzin-Motor kombiniert ist, 7 Prozent Marktanteil verliert.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit unserem Datenspezialist René Mitteregger.